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Hafnerberg-Nöstach

Das Dorf Nöstach besteht aus einigen Bauernhöfen und einem Mostheurigen in einer Senke zwischen dem Schwechattal und dem Triestingtal am Bach Nösta. Durch seine Lage an der Straßenkreuzung zwischen Altenmarkt, Alland und Neuhaus ist es von allen Seiten gut zu erreichen. Im Jahre 1136 stifteten die Brüder Heinrich und Rapoto aus dem Geschlecht der Haderiche, unterstützt von Markgraf Leopold III., das Benediktinerkloster Cella Sancte Marie - das spätere Klein-Mariazell. Diesem schenkten sie neben ausgedehnten Besitzungen im Norden Niederösterreichs auch ihre urbs propria (lat. "eigene Stadt", "Großstadt") - Schwarzenburg, die ihnen von ihren Eltern überkommen war.

Der Begriff der urbs wurde in der Geschichtsschreibung in der Folge oft falsch ausgelegt und es entstand die Sage, Nöstach sei einst eine Stadt, gewesen. Damit war jedoch die Burg der beiden Brüder gemeint, zu der auch einige Leibeigene gehörten. Vermutlich handelte es sich hier um die heutige Burgruine St. Pankraz, wie neuere Grabungen vermuten lassen. Im Zuge der josephinischen Reformen um 1785 wurden die dortigen Kirchen St. Pankraz und St. Martin aufgelassen zum Abbruch freigegeben.

Das Dorf Hafnerberg besteht aus zwei Gaststätten, einem Werkzeughandel, der Freiwilligen Feuerwehr, einer Handvoll Häusern und vor allem der Wallfahrtskirche. Es liegt am Bergsattel zwischen Nöstach und Altenmarkt; am Dorfplatz steht eine 500 Jahre alte Linde. Der alte Weg, über den man vom Hafnerberg ins Triestingtal gelangen konnte, entsprach Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr dem verstärkten Verkehrsaufkommen, weshalb 1802 die heute noch benützte Straße in den Berg gebautwurde. Sie wird ebenso wie das dortige Gasthaus, wegen seiner Serpentinen der Kleine Semmering genannt. Der Ort ist und war beliebte Station an der alten Pilgerstraße Via Sacra von Wien nach Mariazell.

Pankraz Reichard, Müllermeister aus Fischamend, ließ hier 1653 einen Bildstock mit einer Marienstatue errichten. Sie wurde für die vorbeiziehenden Wallfahrer zu einer Stätte des Gebets und der Andacht. So kam es schließlich, dass Wiener Bürger im Jahr 1716 über das kleine Wegheiligtum eine Kapelle erbauen ließen. Bald konnte sie die vielen Votivgaben der Pilger nicht mehr fassen, so dass durch Beschluss des Konvents des Stiftes Klein-Mariazell, der mehr oder weniger freiwilligen Arbeit der Dorfbevölkerung, und dem Geld vieler Spender, 1729 eine neue große Kirche gebaut wurde. Mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung des reichen Wiener Sattlermeisters Adam Petras konnte das Gotteshaus 1745 vollendet werden.

Der Sohn des Spenders, Pater Laurentius Petras, war Bauleiter und wurde erster Kirchenverweser. Vater und Sohn starben kurz nach der Fertigstellung des Baues und sind in der Gruft vor dem Hochaltar beigesetzt. Ihre Bildnisse sind im Gang des Pfarrhofes ausgestellt. Die prächtige barocke Innenausstattung wurde 1771 vollendet und Kaiser Joseph II. setzte 1783 die neue Wallfahrtskirche als Pfarrkirche ein. Die magischen bzw. mystischen Plätze am Hafnerberg, wie konzentrische Steinkreise mit „starker positiver Strahlen-Kreuzung“, Lochsteine, der Vierbrüderbaum aus vier verschieden Holzarten, Visurhügel mithilfe derer man in prähistorischer Zeit den Peilstein beobachtete und Durchkriechsteine, interessieren heutzutage die geomantische, radiesthätische und biosensorische Forschung.